Wappen-History 1970: Vereinswappen aus dem Jahr 1970

Das Jahr 1970 war im deutschen Fußball ein Wendepunkt – sportlich und visuell. Die Bundesliga ging in ihre achte Saison, die Nationalmannschaft bereitete sich auf die WM in Mexiko vor (Drittes-Platz-Spiel mit dem legendären Halbfinale gegen Italien), und in der Vermarktung des Fußballs begann sich der Übergang vom Vereinssport zum Medienprodukt abzuzeichnen. Wappen wurden in dieser Zeit erstmals als Marken-Träger wichtig – auf Trikots, Eintrittskarten, Programmheften, in der zunehmenden Fernseh-Berichterstattung.

Diese Detail-Seite dokumentiert den Wappenstand des Jahres 1970 – welche Vereine wie aussahen, welche Embleme aus dieser Zeit erstmals etabliert wurden und welche bereits im Wandel waren.

Bundesliga-Wappen 1970

In der Saison 1969/70 spielten 18 Vereine in der Bundesliga – darunter Mönchengladbach (der zukünftige Meister), Bayern München, Köln, Hertha BSC, Hamburg und viele andere. Die Wappen-Landschaft in dieser Zeit war heterogen: einige Vereine trugen bereits ihre über Jahrzehnte stabilen Embleme, andere waren in einer Übergangsphase.

Borussia Mönchengladbach

Das schlichte, schwarz-weiß-grüne Rautenwappen mit den Initialen BMG war Anfang der 1970er bereits etabliert. Es ist eine der bemerkenswertesten Designkontinuitäten im deutschen Fußball – die Grundform hat sich bis heute kaum verändert.

FC Bayern München

1970 trug Bayern noch das blau-weiße Rautenwappen, das in seiner Grundform bereits seit den 1960er-Jahren in Verwendung war. Die heutige runde Wappenform mit dem dominanten Bayern-Rot kam erst später, schrittweise eingeführt im Verlauf der 1970er und 1980er Jahre.

1. FC Köln

Der rote Kreis mit dem Kölner Dom in der Mitte – flankiert vom Geißbock – war 1970 bereits seit Jahren die etablierte Wappenform. Köln war einer der Vereine, die mit ihrer Wappen-Identität schon damals besonders konsistent waren.

Hamburger SV

1970 war das HSV-Wappen noch im Übergang. Die später dominante blaue Raute begann sich in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre als definierendes Element zu etablieren. 1970 dominierte noch eine textreichere Variante mit den Initialen HSV und ornamenteller Umrandung.

Werder Bremen

Auch Werder befand sich 1970 in einer Wappen-Übergangsphase. Die spätere ikonische grün-weiße Raute mit W wurde später etabliert. 1970 trug Werder noch ein komplexeres Wappen mit Bremer Stadtsymbolik – inklusive Schlüssel-Verweis auf das Bremer Stadtwappen.

Hertha BSC Berlin

Das blau-weiße Wappen mit der Berliner Fahne und dem H als zentralem Element war 1970 schon stabil. Hertha hat über die Jahrzehnte vorsichtige Modernisierungen vorgenommen, aber die Grundkomponenten beibehalten.

Eintracht Frankfurt

Der Adler auf rotem Grund war 1970 schon das definierende Wappen – verwandt mit dem Frankfurter Stadtwappen, das ebenfalls einen Adler führt. Eintracht ist ein gutes Beispiel für die enge Verbindung zwischen Stadtwappen und Vereinswappen.

Wappen der 2. Bundesliga

Die Zweite Bundesliga wurde erst 1974 eingeführt. 1970 spielten unterhalb der Bundesliga noch die Regionalligen (Nord, West, Südwest, Süd, Berlin). Die Wappen dieser Ebene waren oft heraldisch reicher als die der Bundesliga – mit klaren Stadtsymbolen, weniger Logo-Reduktion. Viele dieser Wappen sind über die Jahrzehnte stabil geblieben, weil die professionelle Markenführung der Bundesliga in den unteren Spielklassen erst Jahre später ankam.

Wappen der Oberligen 1970

Unterhalb der Regionalligen spielten die Oberligen – damals die dritte Spielklasse. Hier finden sich Wappen, die oft direkt aus den 1950ern oder noch früher stammen. Ein paar Beispiele aus der damaligen Oberliga-Landschaft:

  • Oberliga Bayern – Vereine wie FC Augsburg, SpVgg Bayreuth, oder die Reservemannschaften der Bayern-Profiteams.
  • Oberliga Nord – Vereine aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Hamburg.
  • Oberliga NRW – damals noch nicht existierend (wurde erst später so genannt); die NRW-Vereine spielten in der Regionalliga West.

Die Wappen dieser Vereine waren oft schon damals Generationen alt – schwer modernisiert, mit klaren Stadt- und Vereinsfarben, häufig mit dem Gründungsjahr prominent.

Designtypische Merkmale 1970

Die Wappen der Jahrgänge um 1970 zeigen einige typische Designmerkmale:

  • Handzeichnungen statt Vektorgrafik – Wappen wurden noch von Hand gezeichnet, mit allen kleinen Unregelmäßigkeiten, die das mit sich bringt.
  • Schraffuren und Schattierungen – viele Wappen hatten Detailzeichnungen, die später (mit dem Aufkommen der Trikot-Stickerei) wegfielen.
  • Ornamentale Umrandungen – Wappen waren oft in mehrere Linien, Schnörkel, dekorative Rahmen eingebettet, die später entfernt wurden.
  • Textreichtum – Vereinsname ausgeschrieben, Gründungsjahr, manchmal noch zusätzliche Beschriftungen.
  • Sport-Symbole – Fußball-Symbol direkt im Wappen, was später (als Wappen für Multifunktions-Marken eingesetzt wurden) seltener wurde.

Wo 1970 die Wappen-Modernisierung begann

1970 markiert in vielen Vereinen den Beginn der ersten Modernisierungswelle. Vereine begannen, ihre Wappen für die zunehmend professionelle Vermarktung zu reduzieren – weniger Detail, mehr Klarheit. Diese Welle dauerte bis in die späten 1970er Jahre. Manche Vereine, die heute mit „klassischen Wappen“ assoziiert werden, haben in dieser Phase ihr aktuelles Wappen tatsächlich erst etabliert oder substantiell überarbeitet.

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Die Wappen-Landschaft 1970 zeigt eine Übergangszeit – noch handwerklich, oft detailreich, aber bereits am Beginn der professionellen Markenführung. Wer Vereinswappen über Jahrzehnte verfolgt, erkennt in den Embleme dieses Jahres die letzte Phase vor der großen Designwelle der 1980er und 1990er.

Lena Fischer

Über Lena Fischer

Redakteur/in

Lena Fischer ist Sportjournalistin und auf Fußball-Geschichte spezialisiert. Mit einem Faible für Vereinsidentität und Wappen-Symbolik beleuchtet sie, wie Logos und Embleme die DNA eines Fußballclubs widerspiegeln.